Wintersemester 2017/18 - Hauptseminar Französisch

 

Stendhal

 

Fast jeder kennt die berühmte Definition, wonach ein Roman ein Spiegel sei, den man entlang einer großen Straße trage. Und fast jeder weiß daher auch, daß Stendhal, in dessen Roman Le rouge et le noir sich diese Definition findet, der erste Realist ist. Doch was hat das eigentlich zu besagen bei einem Autor, der während der Restauration schreibt, zu einer Zeit also, da man den Versuch unternahm, an das in der Revolution untergegangene Ancien Régime anzuschließen? Die Restaurationsgesellschaft ist eine Gesellschaft vor dem Spiegel, eine Gesellschaft, die sich nach einem Ideal modelliert, das genau genommen nicht mehr zeitgemäß ist. Um dieses spekulare Moment ist es Stendhal in Le rouge et le noir zu tun. Daher hat es die Liebe auch so schwer bei ihm, denn niemand oder fast niemand kann authentisch sein. Die Masken fallen jedoch bezeichnenderweise im Gefängnis, das für Stendhal nicht nur ein Ort jenseits der falschen Gesellschaftlichkeit ist, sondern eben auch ein solcher, wo die Liebe möglich wird. Dies gilt für Le rouge et le noir ebenso wie für den zweiten großen Roman, den wir in diesem Seminar lesen wollen, La chartreuse de Parme. So werden wir uns denn auch fragen müssen, in welchem Verhältnis Subjektivität und Liebe in einem Europa stehen, das unter Metternich wieder den Absolutismus pflegt und was all dies mit der Geburtsstunde des Realismus zu tun haben könnte.

Mi 12 - 14 Uhr, Raum 02-432 SB II

 

 

Wintersemester 2017/18 - Hauptseminar Kulturwissenschaften Französisch / Spanisch

 

(Post-)Nationalismus – Globalismus – Subjektivität

 

Ist Globalismus die Schaffung eines weltweiten, weitgehend homogenen Absatzmarktes, so wäre Postnationalismus seine politische Form. Die Nation hat daher seit längerem keinen guten Leumund, steht sie doch für Revisionismus, Abschottung und Krieg. Doch was ist eigentlich eine Nation? Was war bis vor kurzem noch ihre Funktion? Und welche Subjektivitätsformen hielt sie bereit? Im Umkehrschluß wäre zu fragen, wie man Subjekt eines postnationalen Gebildes werden kann. Welche Formen von Identität werden hier symbolisch produziert? Europa scheint in diesem Zusammenhang ein gutes Anschauungsbeispiel zu sein, denn dort gab es seit dem Untergang des römischen Reiches immer wieder sowohl nationale als auch postnationale Bewegungen. Mit der Herausbildung der souveränen Territorialstaaten und später der Nationen des 19. Jahrhunderts koexistieren zahlreiche Versuche, eine europäische Universalmonarchie zu errichten, deren bisher letzte Ausprägung dann die von vielen geforderte europäische Republik wäre. Am Beispiel von Frankreich und Spanien wollen wir in unserem Seminar dieser Wechselwirkung nachgehen und dabei vor allem auf den kulturpolitischen Aspekt eingehen. Wie legitimieren sich politische Formen kulturell? Wie entsteht kulturelles Gedächtnis und welchen Interpellationsstrukturen gehorcht Identität? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Bilder, Symbole, Filme und Literatur? Welche Geschichte(n) erzählen wir uns, an was glauben wir, wovor haben wir Angst?

Mi 18-20 Uhr, P106

 

 

Wintersemester 2017/18 - Hauptseminar Spanisch

 

El libro de buen amor

 

Entstanden zwischen 1330 und 1343 ist der Libro de buen amor nicht nur ein großartiges Kompendium spätmittelalterlicher Literaturformen, sondern auch der Ausdruck einer multikulturellen, multiethnischen Gesellschaft, wie sie vor der Einigung Spaniens unter den katholischen Königen in Toledo bestand. Es handelt sich dabei um eine fiktive Autobiographie eines Erzpriesters, der uns im Prolog vor den Gefahren der Liebe warnt, der sich jedoch nicht davor scheut, uns von eben diesen mit großer Ausführlichkeit und aus erster Hand zu berichten. Wir begegnen Frauen jeden Standes und allerhand allegorischen Figuren in diesem Gattungsmix aus Ständesatire, Didaxe und lustvoller Freude an der Transgression. Kein Wunder also, wenn sich hier Don Carnal und Doña Cuaresma – also Karneval und Fastenzeit – ein Duell liefern, denn der Libro de buen amor ist vor allem eins: ein schillerndes, dialogisches Werk, das sich einer eindeutigen Sinnzuschreibung entzieht und uns damit – noch heute – immer wieder zum Lachen bringt.

Do 12 - 14 Uhr, Raum 01-525 SB II

 

 

Wintersemester 2017/18 - M.A./ Graduiertenkolloquium

 

Vorstellung von Masterarbeiten und Dissertationen

 


1-std., verblockt, drei je fünfstündige Sitzungen. Sa 10 - 16 Uhr

 


 

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